Kompetenzbilanz-Verfahren: Kompetenzbilanz-Online

Mithilfe von Online-Fragebögen erfassen Nutzer Kompetenzen und berufliche Interessen. Anwender können so herausfinden, welche beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten und Alternativen es für sie gibt. Als Ergebnis erhalten sie konkrete Berufsvorschläge mit Links zu weiteren Informationen über diese Berufsbilder. Eine Beratung im Anschluss ist nur für Personen möglich, die in Berlin leben oder arbeiten. Das kostenlose Verfahren können vor allem Menschen nutzen, die sich beruflich neu orientieren wollen oder müssen.

Wie ist der Zugang zur Kompetenzbilanz-Online?

Nutzer registrieren sich zunächst auf der Webseite des Anbietersund bearbeiten dann die Online-Fragebögen. Da Eingaben gespeichert werden, ist das auch in mehreren Etappen möglich. Zusätzlich zum eigenen Zugang erhält der Nutzer bei der Anmeldung zwei Passwörter, die er an Personen seiner Wahl für eine Fremdeinschätzung weitergeben kann. Nach Durchlauf der Online-Fragebögen ist eine einstündige Beratung kostenfrei möglich, allerdings nur für Nutzer, die in Berlin leben oder arbeiten. Frauen wenden sich dafür an die Frauenberatungsstelle Kobra, Kontinuumberät alle Interessierten. Kobra bietet für Frauen außerdem den Workshop „Kompetenzen bilanzieren - Beruf entdecken - Bewerbung planen“ an. Kosten: 35 Euro (ermäßigt 20 Euro).  

Wie ist die Kompetenzbilanz-Online aufgebaut? Wie ist sie zu bearbeiten?

Es gibt 27 Fragebögen, über die der Nutzer seine fachlichen Kompetenzenund Interessen in verschiedenen Tätigkeitsbereichen selbst einschätzen kann. Die Bereiche heißen zum Beispiel  „Kaufen, verkaufen, vertreiben“, „Wissenschaftlich arbeiten“, „Schreiben, texten, moderieren“ oder „Organisieren, verwalten, managen“. Darüber hinaus stehen 15 Fragebögen bereit, um überfachliche Kompetenzeneinzuschätzen, zum Beispiel Einfühlungsvermögen, Team-, Kritik- und Kommunikationsfähigkeit. In beiden Kategorien muss der Nutzer mindestens fünf Fragebögen ausfüllen, damit er eine Auswertung erhält. Die einzelnen Fragebögen sind alle ähnlich aufgebaut. Der Nutzer muss auf einer Skala einschätzen, inwieweit bestimmte Aussagen auf ihn zutreffen. Ein Beispiel aus dem Fragebogen zur Kooperationsfähigkeit: „Ich greife die Ideen anderer auf und führe sie weiter.“ Der Nutzer muss anklicken, ob die Aussage „vollkommen“, „weitgehend“, „etwas“ oder „gar nicht“ zutrifft. 

Wie sieht das Ergebnis aus?

Auf Basis seiner Antworten erhält der Nutzer Vorschläge für Berufe, die am besten zu seinen fachlichen und überfachlichen Kompetenzen passen. Außerdem zeigt eine Grafik, wie ausgeprägt seine Kompetenzen sind. Darüber hinaus erfährt der Nutzer, ob sein berufliches Können und seine Interessen übereinstimmen. Sofern der Nutzer andere mit einer Fremdeinschätzung beauftragt hat, zeigt die Auswertung auch, wie Selbst- und Fremdbild übereinstimmen.

Wie lange dauert die Bearbeitung?

Laut Anbieter mindestens zwei Stunden - eine Stunde wird für die Bearbeitung der Online-Fragebögen veranschlagt, eine weitere für die (optionale) Beratung. Unsere drei Testpersonen investierten für den Durchlauf am Computer allerdings mehr Zeit, und zwar zwischen dreieinhalb und sechseinhalb Stunden. 

Was können Nutzer über sich herausfinden? Welche Kompetenzen werden erfasst?

Über die Fragebögen können Nutzer fachliche Kompetenzen für 27 Tätigkeitsbereiche erfassen sowie überfachliche Kompetenzenfür 15 Bereiche, zum Beispiel Team-, Ausdrucks-, Kooperations-, Organisations-, Kritik- und Konfliktfähigkeit. Außerdem können Nutzer herausfinden, wo ihre beruflichen Interessen liegen.

Wer ermittelt die Kompetenzen? Und wer schätzt ein, wie ausgeprägt sie sind?

Mithilfe der Fragebögen erfasst der Nutzer seine Kompetenzen. Anhand von Skalen schätzt er selbst ein, wie stark die erfassten Kompetenzen bei ihm ausgeprägt sind. Zusätzlich kann er bis zu zwei Personen seiner Wahl mit einer Fremdeinschätzung beauftragen. Diese bearbeiten die Fragebögen dann über einen eigenen Zugang. So erhält der Nutzer neben dem Selbstbild auch ein Fremdbild und erfährt, wie andere ihn sehen. 

Was ergab der Test?

Unsere Experten stuften die Qualität des Verfahrens als niedrig ein, unter anderem aus folgenden Gründen: Das Verfahren gibt vor, für welche Bereiche der Nutzer seine Kompetenzen erfassen soll, zum Beispiel Team- oder Konfliktfähigkeit. Das führt dazu, dass der Nutzer nur über diese Bereiche nachdenkt und andere Kompetenzen, die er im Verlauf seines Lebens erworben hat, gedanklich nicht einbezieht. Außerdem: Die Fragebögen sind nach dem immer gleichen Schema aufgebaut. Positiv: Im Verfahren ist die Möglichkeit einer freiwilligen Fremdeinschätzung vorgesehen. Außerdem ist eine Beratung im Anschluss möglich. Wünschenswert wäre, dass sie verpflichtend ist, da sie entscheidend dabei helfen kann, die Ergebnisse einzuordnen, die individuelle Entwicklung anzustoßen und nächste Schritte zu planen.  

Unsere Testpersonen fanden das Verfahren eher mittelmäßig. Die stets nach demselben Schema aufgebauten Online-Fragebögen empfanden sie als wenig abwechslungsreich und motivierend. Gut gefiel ihnen aber, dass nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch Interessen im Fokus standen. Die Beratung im Anschluss verhalf ihnen zum Teil zu neuen Erkenntnissen über sich selbst. Die Planung konkreter Maßnahmen für ihren beruflichen Werdegang stieß leider kein Berater an. Was die Webseite zum Verfahren betrifft, fühlten sich die drei Tester überwiegend gut informiert über Ablauf und Kosten des Angebots von Kompetenzbilanz-Online.

 

Stand: Prüfzeitraum Dezember 2015 bis Mai 2016. Online-Veröffentlichung: Februar 2017.