Kompetenzbilanz-Verfahren: Europass +2

Der kostenlose Europass +2 hilft dabei, fachlicheund überfachliche Kompetenzenzu erkennen und zu bewerten. Nutzer sind aufgefordert, anhand ihrer Biografie konkrete Beispiele für ihre Kompetenzen zu erarbeiten. So können sie sich auf Bewerbungsphasen vorbereiten und sich Antworten auf typische Fragen in Vorstellungsgesprächen überlegen. Wer mit Europass +2 arbeiten möchte, sollte gut mit schriftlichen Instruktionen umgehen können und in der Lage sein, selbstständig Texte zu formulieren. Das Verfahren orientiert sich am Europassund am europäischen Arbeitsmarkt.

Wie ist der Zugang zum Europass +2?

Interessierte registrieren sich auf der Webseite von Europass +2. Der Login ist dann mit Benutzername und Passwort möglich.

Wie ist der Europass +2 aufgebaut? Wie ist er zu bearbeiten?

Wer will, kann sich zunächst über einen geführten Rundgang (Guided Tour) einen Überblick über das Verfahren verschaffen, bevor er loslegt. Es gibt sechs vorgegebene Bereiche, in denen Nutzer ihre Kompetenzen identifizieren, dokumentieren und bewerten können. Das sind:

  • Soziale Kompetenzen (mit Teamfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Interkulturelle Kompetenz)
  • Organisationsfähigkeiten (mit Projektmanagement und Zeitmanagement)
  • Technische Fähigkeiten und Kompetenzen
  • Computerkenntnisse und -kompetenzen
  • Künstlerische Kompetenzen
  • Andere Kompetenzen (mit Ordnung, Qualität, Präzision, Selbstinitiative, Flexibilität, Selbstdisziplin)

Jedes Thema umfasst drei Schritte. Im ersten Schritt wird jede Fähigkeit zunächst erläutert. Schritt zwei stellt dem Nutzer Beispiele aus Beruf, Ausbildung und Freizeit vor, in denen eine bestimmte Kompetenz relevant ist. Im dritten Schritt ist der Nutzer gefragt, selbst Beispiele für Tätigkeiten aus seinem Leben, also aus Beruf, Ausbildung und Freizeit zu formulieren, die Aufschluss über seine Kompetenz in diesem Bereich geben. Abschließend muss er einschätzen, auf welchem Niveau sich sein Können bewegt. Dabei hat er die Wahl zwischen elementarem, selbstständigem und fortgeschrittenem Niveau. Alle Eingaben kann der Nutzer speichern, um dann das nächste Thema in Angriff zu nehmen. Die sechs Themen sind in der vorgegebenen Reihenfolge zu bearbeiten. Davon abzuweichen, ist nicht möglich.

Wie sieht das Ergebnis aus?

Der Nutzer erhält auf der Basis seiner Angaben ein Diagramm, das zeigt, wie ausgeprägt seine Kompetenzen in den sechs Themenbereichen sind (Kompetenzprofil). Außerdem erhält er seine selbst formulierten Kompetenzbeispiele in einem Word-Dokument zusammengefasst. Auf diese Weise kann er sie speichern, ausdrucken und in seinen Lebenslauf oder in den Europass CVintegrieren.

Wie lange dauert die Bearbeitung?

Laut Anbieter zwischen vier und acht Stunden. Unsere Testpersonen haben zwischen zwei und gut vier Stunden benötigt.

Was können Nutzer über sich herausfinden? Welche Kompetenzen werden erfasst?

Mit Europass +2 lassen sich fachlicheund überfachliche Kompetenzenfür die vorgegebenen Bereiche erfassen.

Wer ermittelt die Kompetenzen? Und wer schätzt ein, wie ausgeprägt sie sind?

Über die Online-Aufgabenbögen ermittelt der Nutzer seine Kompetenzen und schätzt deren Ausprägung dann selbst ein, indem er sein Können einer Niveaustufe (elementar, selbstständig, fortgeschritten) zuordnet. Eine Fremdeinschätzung durch andere sieht das Verfahren nicht vor. Der Nutzer wird aber angeregt, sein Kompetenzprofil mit Freunden, Bekannten und Kollegen zu diskutieren.

Was ergab der Test?

In der Gesamtschau weist das Verfahren eine mittlere Qualität auf. Es hat aber ohne Zweifel einen Nutzwert, denn es unterstützt Nutzer dabei, anhand ihrer Biografie konkrete Beispiele für ihre Kompetenzen zu erarbeiten, und zwar für die sechs vorgegebenen Bereiche. So können sie sich auf Bewerbungsphasen und typische Fragen in Vorstellungsgesprächen vorbereiten, zum Beispiel: Wie teamfähig sind Sie? Wie gehen Sie mit Konflikten am Arbeitsplatz um? Wie gut ist Ihr Zeitmanagement? Positiv außerdem: Der Nutzer wird gut durch das Verfahren geführt und kann sich für die Bearbeitung an Beispielen orientieren, die das Verfahren zur Illustrierung präsentiert. Eine Schwierigkeit für Nutzer könnte allerdings darin liegen, sich von diesen Beispielen zu lösen und eigene zu finden.

Ungünstig: Eine begleitende Unterstützung in Form von Beratung, Coaching oder Seminar ist nicht vorgesehen. Damit bleibt es dem Nutzer überlassen, eine Perspektive für seinen Berufsweg zu erarbeiten. Auch eine Fremdeinschätzung sieht das Verfahren nicht vor. Zudem ist die Zielgruppe in den uns zur Verfügung gestellten Unterlagen nicht eindeutig definiert. Nutzer werden mal mit „du“, mal mit „Sie“ angesprochen.

 

Stand: Prüfzeitraum Dezember 2015 bis Mai 2016. Online-Veröffentlichung: Februar 2017.