Arbeitsagentur: Wieder im Job dank Weiterbildung

Eine berufliche Weiterbildung verbessert die Chancen auf einen neuen Job. Doch die Arbeitsagentur fördert eine Qualifizierung immer seltener. Der Weiterbildungsguide erklärt, wann die Agentur weiterbildungswillige Arbeitslose und Arbeitssuchende trotzdem unterstützt.

Die Weiterbildung muss notwendig sein

Damit die Arbeitsagentur eine Weiterbildung fördert, muss sie notwendig sein, um Arbeitslose beruflich einzugliedern oder eine konkret drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden. Auch ein fehlender Berufsabschluss kann Grund für eine geförderte Weiterbildung sein. Der erste Schritt zu einer Weiterbildung ist immer ein persönliches Beratungsgespräch bei der Arbeitsagentur vor Ort. Darin wird geklärt, ob eine Weiterbildung notwendig und sinnvoll wäre – und falls ja, in welchem Themengebiet und Umfang. Oberstes Ziel der Weiterbildung ist die dauerhafte Wiedereingliederung ins Berufsleben.

TIPP:

Erkundigen Sie sich vor dem Gespräch mit ihrem persönlichen Berater bei der Agentur über Weiterbildungsangebote in Ihrem Bereich. Im Berufsentwicklungsnavigator (BEN)der Arbeitsagentur können Sie unter der Rubrik „Weiterbildung“ gezielt nach entsprechenden Infos zu Ihrem Beruf suchen. Wer sich lieber auf Papier statt im Netz informiert, findet in den 28 „durchstarten“-Infomappen der Arbeitsagentur nützliche Hinweise zu beruflicher Umorientierung und Weiterbildung – von Bau über Soziales bis Verwaltung. Sie liegen in den Berufsinformationszentren (BiZ) der Arbeitsagenturen aus.

Pauschale Kriterien gibt es nicht

Jeder berufliche Hintergrund wird individuell geprüft, pauschale Kriterien gibt es nicht. Es kann auch von Region zu Region eine unterschiedliche Förderpraxis geben. „Grundsätzlich gilt bei der Arbeitsagentur aber das Credo: Vermittlung geht vor Förderung“, so Paul Ebsen, Weiterbildungsexperte der Bundeszentrale für Arbeit in Nürnberg. „Sollte also die Möglichkeit bestehen, den Arbeitssuchenden ohne vorherige Weiterbildungsmaßnahme in einen Job zu vermitteln, wird es keine Weiterbildungsförderung geben.“

TIPP:

Wenn Sie sich fit für den Bewerbungsprozess machen möchten, fragen Sie Ihre Arbeitsagentur nach dem sogenannten Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein, kurz AVGS. Das ist ein Gutschein für ein berufliches Coaching. Näheres dazu lesen Sie im Artikel Wann die Agentur für Arbeit den Coach bezahlt.

Chancen in Berufen mit Fachkräftemangel

Die Chancen erhöhen sich, wenn man eine Fortbildung in einem Beruf anstrebt, in dem Fachkräftemangel besteht – also zum Beispiel für Altenpfleger. „Andere Mangelberufe wie Energietechniker oder Entsorgungsexperte können ebenfalls per Weiterbildung gefördert werden, sofern ein regionaler Bedarf besteht“, erläutert Paul Ebsen. „Andernfalls ist eine Förderung nur denkbar, wenn der Teilnehmer mobil und dazu bereit ist, in einer Region zu arbeiten, in der Nachfrage nach seinen Fertigkeiten herrscht.“

TIPP:

Recherchieren Sie unter www.statistik.arbeitsagentur.deBerufe, bei denen in Deutschland zur Zeit ein Mangel besteht. Welche Bildungsziele die Arbeitsagentur in Ihrer Region konkret fördert, können sie unter dem Suchwort „Bildungszielplanung“ auf der Webseite Ihrer Arbeitsagentur vor Ort herausfinden.

Nicht nur das Bildungsziel zählt

Die Bildungsziele der Arbeitsagentur richten sich nach den regionalen Erfordernissen des Arbeitsmarktes. Die Förderung bestimmter Berufe wie Erzieher oder Logistiker kann also bei Bedarf regional bevorzugt werden. Dennoch bleibt der Arbeitsmarkt natürlich vielfältig. Daher werden auch Weiterbildungen in Bereichen, die nicht dem jeweiligen Bildungsziel entsprechen und in denen kein Fachkräftemangel herrscht, weiterhin gewährt – je nach individuellem Hintergrund. Hierfür gibt es viele Beispiele. Das kann eine PR-Beraterin sein, die nach der Elternzeit den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben sucht und mit einer Social Media-Weiterbildung fit für die neuen Kommunikation-Tools gemacht wird. Das kann der Psychologe sein, dem nach vielen befristeten Stellen durch eine Weiterbildung in Personalmanagement zu einem dauerhaften Job verholfen wird. Oder die Bürokauffrau, die nach längerer Krankheit mit einer Weiterbildung in einem Buchhaltungssystem wieder Anschluss ans Arbeitsleben findet.

TIPP:

Sie selbst kennen Ihr Berufsbild mit seinen spezifischen Anforderungen am besten, ebenso Ihre Stärken und Schwächen. Legen Sie Ihrem Arbeitsberater einleuchtend dar, welche neuen Kenntnisse Ihre Vermittlungschancen eindeutig erhöhen würden – beispielsweise anhand von mitgebrachten Stellenausschreibungen für Ihr Berufsbild, in denen eben jene Kenntnisse von den Bewerbern gewünscht werden.

Auch zwei Weiterbildungen sind möglich

Grundsätzlich ist es sogar möglich, dass die Agentur zwei Weiterbildungen finanziert. Voraussetzung für eine Förderung sind die festgestellten Qualifikationsdefizite – also die Bestimmung jener Kenntnisse, in denen der Arbeitslose noch aufholen muss, um gute Chancen auf einen neuen Job zu haben. Weiterbildungsexperte Paul Ebsen nennt ein Beispiel: „Jemand, der jahrelang berufstätig war, wird arbeitslos. Nach einigen erfolglosen Bewerbungen wird deutlich, dass ein Bewerbungs-Training nötig ist, um ihn unter anderem hinsichtlich Optik und Strukturierung einer modernen Bewerbungsmappe auf den neuesten Stand zu bringen. Anschließend sehen seine Chancen auf einen neuen Job günstiger aus, zu den Anforderungen für sein spezifisches Berufsbild gehören jedoch mittlerweile auch spezielle EDV-Kenntnisse (beispielsweise SAP). Sollte es keine anderen Vermittlungschancen geben, wird voraussichtlich auch die zweite Maßnahme – der Erwerb von SAP-Kenntnissen – gefördert.“

Die Arbeitsagentur kann die Teilnahme auch verlangen

Wenn die Arbeitsagentur im Verlauf der Betreuung des Arbeitslosen zu der Ansicht kommt, dass eine Weiterbildung nötig ist, um ihn wieder ins Jobleben integrieren zu können, kann sie die Weiterbildung auch anordnen. Im Rahmen der sogenannten Eingliederungsvereinbarung, die der Arbeitslose zu Beginn seiner Arbeitslosigkeit bei der Agentur für Arbeit unterschreibt, werden von beiden Seiten Bemühungen zum raschen Wiedereinstieg ins Berufsleben vereinbart. Während die Arbeitsagentur sich in dieser Vereinbarung dazu verpflichtet, den Arbeitslosen zum Beispiel durch Beratung und Vermittlungsangebote zu fördern, erkennt im Gegenzug der Arbeitslose seine Pflicht an, vereinbarte Aktivitäten einzuhalten und sich aktiv um die Rückkehr ins Jobleben zu kümmern. „Dazu kann auch die verpflichtende Teilnahme an einer Weiterbildungsveranstaltung gehören, zum Beispiel ein Bewerbungs-Coaching“, so der Weiterbildungsexperte Paul Ebsen.

Bis zwei Stunden Pendelzeit sind zumutbar

Um an einer geeigneten Weiterbildung teilnehmen zu können, sind bei einer täglichen Unterrichtszeit von bis zu sechs Stunden maximal zwei Stunden Pendelzeit zumutbar. Bei einer täglichen Unterrichtszeit von mehr als sechs Stunden sind bis zu zweieinhalb Stunden Pendelzeit in Kauf zu nehmen. In ländlichen Gebieten oder Ballungsräumen können auch noch längere Pendelzeiten angesetzt werden. Fahrtkosten von monatlich bis zu 340 Euro werden von der Arbeitsagentur übernommen. Eine Weiterbildung in einer anderen Stadt ist möglich, wenn der gewünschte Kurs nicht am eigenen Wohnort angeboten wird. Sollte diese Stadt nicht mehr im zumutbaren Pendelbereich liegen, wird auch eine doppelte Haushaltsführung erstattet. Dieser Fall betrifft vor allem ländliche Regionen.

Kurs auswählen

Sind alle Fördervoraussetzungen gegeben, wird im Gespräch mit dem Arbeitsberater festgelegt, in welche inhaltliche Richtung die Weiterbildung gehen soll. Dabei sind eigene Vorschläge willkommen. Wichtig ist, dass die gewünschten Kursinhalte sinnvoll auf die bisherigen Berufskenntnisse aufbauen und bei künftigen Bewerbungen ein eindeutiges Plus wären. Anschließend erhält der Arbeitsagenturkunde einen Bildungsgutschein, den er bei einem von der Agentur anerkannten Weiterbildungsanbieter einlösen kann. Neben Bildungsziel, Dauer des Kurses und Kursregion ist auf dem Bildungsgutschein auch die Dauer seiner Gültigkeit vermerkt. Diese legt fest, bis wann der Gutschein eingelöst werden kann. Die Suche nach dem Wunschkurs übernimmt der Arbeitslose dann selbst. In der Regel ist er dazu aufgefordert, sich innerhalb kurzer Zeit nach dem Beratungsgespräch auf die Suche nach geeigneten Anbietern zu machen. Seine engere Auswahl teilt er dem Arbeitsberater mit, der die abschließende Entscheidung trifft.

TIPP:

Suchen Sie auf Kursnet- der Datenbank für Aus- und Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit - nach geeigneten Kursen. Per Klick auf das Kästchen „Mit Bildungsgutschein gefördert“ können Sie die Suche auf anerkannte Träger eingrenzen. Auch auf anderen Weiterbildungsdatenbanken finden sich ähnliche Filtermöglichkeiten.

Welche Kosten die Agentur übernimmt

Zu den Weiterbildungskosten, die von der Arbeitsagentur übernommen werden, gehören:

  • Lehrgangskosten
  • Kosten für die Eignungsfeststellung (dies betrifft zum Beispiel Berufe wie Krankenpfleger)
  • Fahrtkosten
  • Kosten für die Betreuung von Kindern
  • Kosten für auswärtige Unterbringung
  • Kosten für Verpflegung.

Anspruch auf Arbeitslosengeld verlängert sich

Eine Weiterbildung verlängert die Dauer des Anspruchs auf Arbeitslosengeld. Während sich normalerweise die Anspruchsdauer von Tag zu Tag im Verhältnis 1 zu 1 mindert, drosselt eine Weiterbildung diese Minderung um das halbe Tempo. Ein Beispiel macht es deutlich: Ein Arbeitsloser hat vom 1. Januar bis 31. Dezember 2017 Anspruch auf Arbeitslosengeld I – so wurde es zum Zeitpunkt seiner Antragstellung festgestellt. Vom 1. Juni bis 30. September 2017 absolviert er eine 4-monatige Weiterbildung. Dadurch verlängert sich sein Anspruch um zwei Monate (also um die Hälfte der Weiterbildungszeit), so dass er nun bis Februar 2018 Arbeitslosengeld I erhält.