Qualitätsmanagement: Stehen Siegel für Qualität?

DIN EN ISO 9001, LQW oder EFQM – wer eine Weiterbildung sucht, stößt bei der Recherche häufig auf Qualitätssiegel, mit denen Bildungsanbieter für ihre Angebote werben. Die kryptischen Kürzel stehen für bestimmte Qualitätsmanagementsysteme. Diese helfen Bildungsträgern, ihre Angebote zu verbessern – und zeigen Weiterbildungswilligen, dass der Anbieter sich um Qualität bemüht. Automatisch bessere Kurse darf der Kunde dort aber nicht erwarten.

Was Qualitätsmanagement bedeutet

Qualitätsmanagement in der Weiterbildung bedeutet, dass ein Bildungsinstitut seine Prozesse, also alle Arbeitsabläufe und Aufgaben systematisch plant und steuert, um gute Weiterbildungen zu gewährleisten. Im Vordergrund steht dabei der Gedanke, die Qualität der Produkte und Leistungen kontinuierlich zu verbessern und an den Erwartungen der Kunden auszurichten – das Grundprinzip von Qualitätsmanagement. Das Bildungsinstitut beschreibt also seine Ziele, plant seine Prozesse, setzt sie um, überprüft und bewertet sie kritisch, auch mithilfe des Feedbacks der Kunden. Die Logik dahinter: Wer seine Prozesse kontinuierlich optimiert, verbessert auch seine Produkte oder Dienstleistungen. Und das sorgt für zufriedene Kunden. Qualitätsmanagement ist also ein stetiger Verbesserungskreislauf.

Was Qualitätsmanagementsysteme leisten sollen

Bildungsanbieter, die Qualitätsmanagement betreiben möchten, können dafür auf standardisierte Verfahren zurückgreifen, so genannte Qualitätsmanagementsysteme. Im Grunde ist ein solches System eine Art Vorlage oder Schablone. Es benennt die Bereiche, Abläufe und Aufgaben, die es zu definieren und zu planen gilt, um gute Qualität bieten zu können. Jedes Bildungsinstitut muss diese dann anhand eigener Ziele individuell ausgestalten. Eine Sprachschule für Business Englisch zum Beispiel könnte für sich festlegen, dass als Lehrer nur englische Muttersprachler mit pädagogischer Qualifikation infrage kommen oder dass die verwendeten Lehrbücher nicht älter als zwei Jahre sein dürfen. Ist alles geregelt und dokumentiert, die „Schablone“ also gefüllt, kann sich das Bildungsinstitut durch externe Gutachter, die vom Herausgeber des Qualitätsmanagementsystems oder von einer Zertifizierungsstelle beauftragt sind, überprüfen lassen.

Welche Qualitätsmanagementsysteme es in der Weiterbildung gibt

Es gibt etwas mehr als ein Dutzend Qualitätsmanagementsysteme, die in der Weiterbildung zum Einsatz kommen. Die wichtigsten listet unsere Tabelle auf der nächsten Seite auf. Darunter sind Systeme, die in jeder Branche, jeder Organisation und jedem Unternehmen anwendbar sind, zum Beispiel die ursprünglich für die Industrie entwickelte DIN EN ISO 9001. Nutzt ein Bildungsinstitut ein branchenübergreifendes System, muss es die dort formulierten Anforderungen für den Bereich Weiterbildung „übersetzen“, also verständlich machen und auf die eigenen Unternehmensschwerpunkte – hier Bildung – übertragen und anwenden. Deshalb sind in den vergangenen Jahren zunehmend Systeme speziell für Weiterbildungsinstitute entwickelt worden, die sprachlich leichter zugängig sein können. Häufig sind das Varianten branchenübergreifender Systeme.

Kein System ist besser als das andere

Ob ein System spezifisch auf die Weiterbildungsbranche zugeschnitten ist oder nicht, ist nicht wichtig. Kein System ist besser als ein anderes. Im Grunde ist es auch nicht entscheidend, welches System ein Bildungsinstitut nutzt. Es kommt vielmehr darauf an, wie sehr es das eingesetzte System „lebt“, also wie ernsthaft und konsequent es sein Qualitätsmanagement in der täglichen Praxis umsetzt. Für Verbraucher auf der Suche nach einem Weiterbildungskurs ist das allerdings nicht so leicht zu erkennen.

TIPP:

Achten Sie zum Beispiel auf der Webseite oder in Broschüren auf Indizien für „gelebtes“ Qualitätsmanagement: Formuliert der Bildungsträger dort ein Leitbild? Gibt er ein Leistungsversprechen? Beschreibt er Lernziele und Lernergebnisse? Stellt er die Dozenten mit ihren Qualifikationen vor? Trifft er Aussagen zu Lehrmethoden und Lehrmaterialien? Gibt er Erfolgsquoten bekannt? Kommen frühere Teilnehmer zu Wort?

Anbieter mit Siegel bieten nicht zwingend bessere Kurse

Ein Qualitätssiegel zeichnet in der Regel nicht einzelne Kurse aus, sondern das Bildungsinstitut an sich. Das Siegel bestätigt, dass das Bildungsinstitut ein Qualitätsmanagementsystem etabliert hat, dass es seine Arbeitsabläufe, Produkte und Dienstleistungen systematisch plant, steuert und regelmäßig überprüft und damit theoretisch in der Lage ist, gute Kurse anzubieten, dass es vom Herausgeber des Systems oder von einer befugten unabhängigen Stelle überprüft wurde. Ein Qualitätssiegel ist damit ein Indiz dafür, dass sich ein Bildungsinstitut um Qualität bemüht und die Interessen seiner Kunden berücksichtigt.

Hinweis:

Bildungsinstitute ohne ein Qualitätsmanagementsystem arbeiten weder unprofessionell, noch bieten sie schlechtere Kurse. Das zeigt auch eine Analyse der Stiftung Warentest: Weiterbildungen von Anbietern mit einem Qualitätsmanagementsystem schnitten in unseren Tests nicht besser ab als Kurse von Bildungsinstituten ohne.

Diese Qualitätsmanagementsysteme gibt es in der Weiterbildung

Lernerorientierte Qualitätstestierung in der Weiterbildung (LQW)

Auf dem Markt seit: 2000
Verbreitung:  Deutschland und Österreich; vereinzelt europäische Nachbarländer
Einsetzbarkeit: Bildungsbranche
Anzahl überprüfter Bildungsträger in Deutschland: ca. 900
Weitere Infos: www.qualitaets-portal.de

QVB-Branchenmodell  für verbund- und werteorientierte Weiterbildungsorganisationen

Auf dem Markt seit: 2004
Verbreitung:  Deutschland und Österreich
Einsetzbarkeit: Bildungsbranche
Anzahl überprüfter Bildungsträger in Deutschland: ca. 190
Weitere Infos: www.qvb-info.de

Geprüfte und ausgezeichnete Fach-Qualität in der Weiterbildung

Auf dem Markt seit: 2010
Verbreitung:  Deutschland
Einsetzbarkeit: Bildungsbranche
Anzahl überprüfter Bildungsträger in Deutschland: 50
Weitere Infos: www.dvwo-qualitaetssiegel.de

DIN EN ISO 9001

Auf dem Markt seit: 1987
Verbreitung: International
Einsetzbarkeit: Unabhängig von der Branche
Anzahl überprüfter Bildungsträger in Deutschland: ca. 2300
Weitere Infos: www.din.de

DIN ISO 29990

Auf dem Markt seit: 2010
Verbreitung: International
Einsetzbarkeit: Bildungsbranche
Anzahl überprüfter Bildungsträger in Deutschland: ca. 1000
Weitere Infos: www.iso-29990.com

EFQM-Excellence-Modell

Auf dem Markt seit: 1988
Verbreitung: International
Einsetzbarkeit: Unabhängig von der Branche
Anzahl überprüfter Bildungsträger in Deutschland: ca. 500
Weitere Infos: www.ilep.de

Qualitätsmanagement-System nach Gütesiegelverbund Weiterbildung

Auf dem Markt seit: 2003
Verbreitung: Deutschland
Einsetzbarkeit: Bildungsbranche
Anzahl überprüfter Bildungsträger in Deutschland: ca. 300
Weitere Infos: www.guetesiegelverbund.de

QESplus

Auf dem Markt seit: 2004
Verbreitung:  Deutschland
Einsetzbarkeit: Bildungsbranche
Anzahl überprüfter Bildungsträger in Deutschland: 160
Weitere Infos: www.qesplus.de

Mitglied der Qualitätsgemeinschaft Berufliche Bildung Region Köln

Auf dem Markt seit: 1991
Verbreitung: Köln (IHK Bezirk)
Einsetzbarkeit: Bildungsbranche
Anzahl überprüfter Bildungsträger in Deutschland: 130
Weitere Infos: www.weiterbildung-koeln.de

Geprüfte Weiterbildungseinrichtung Weiterbildung Hamburg

Auf dem Markt seit: 1993
Verbreitung: Hamburg
Einsetzbarkeit: Bildungsbranche
Anzahl überprüfter Bildungsträger in Deutschland: ca. 200
Weitere Infos: www.weiterbildung-hamburg.net

Geprüfte Weiterbildungseinrichtung Weiterbildung Hessen

Auf dem Markt seit: 2003
Verbreitung: Hessen
Einsetzbarkeit: Bildungsbranche
Anzahl überprüfter Bildungsträger in Deutschland: ca. 350
Weitere Infos: www.weiterbildung-hessen.de

Stand der Informationen September 2016.