Psychologische Tests

Was bin ich?

Wer zwecks Karriereplanung mehr über die eigenen Stärken und Schwächen erfahren möchte, kann psychologische Testverfahren nutzen, zum Beispiel Persönlichkeitstests.

Selbstanalyse vor beruflicher Veränderung

In  Zeiten von Stellenabbau und zunehmend befristeten Arbeitsverhältnissen sind Berufstätige immer wieder gezwungen, sich neu zu orientieren. Ob Jobwechsler oder Existenzgründer –  jeder muss sich fragen, ob er für eine berufliche Veränderung auch die richtigen Eigenschaften und Fähigkeiten mitbringt. Wer zwecks Karriereplanung mehr über sich, seine Stärken, Schwächen und Potenziale herausfinden möchte, kann dafür psychologische Testverfahren nutzen, auch Potenzialanalysen genannt. Via Internet lassen sich durchaus einige frei zugängliche Verfahren finden, die jeder allein, also per Selbsttest, online durchführen kann, darunter sogar kostenlose. Der überwiegende Teil der Angebote jedoch lässt sich nur begleitet von Profis wie Psychologen durchlaufen, zum Beispiel während einer Beratung oder eines Coachings.  

Nicht alle Testverfahren messen dasselbe

Je nach Test können Nutzer unterschiedliche Dinge über sich herausfinden. Einige Tests messen Eigenschaften der Persönlichkeit, andere klopfen berufliche Interessen ab. Einige ermitteln Wissen und Fähigkeiten des Testnutzers, andere prüfen seine Eignung für bestimmte Berufsbereiche. Es gibt  folgende Typen:

  • Persönlichkeitstest: Geht den Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen des  Nutzers auf den Grund.
  • Leistungstest: Ermittelt Wissen und Fähigkeiten des Nutzers.
  • Interessentest: Sonderform des Persönlichkeitstests, der Interessen und Vorlieben des Nutzers erfasst.
  • Motivationstest: Sonderform des Persönlichkeitstests, der Motive misst, also das, was einen Menschen antreibt.
  • Berufseignungstest: Sind oft Mischungen aus Persönlichkeits-, Interessen-, Motivations- und manchmal auch Leistungstests. 

Viele der angebotenen Tests auf dem Markt sind Mischformen und kombinieren zum Beispiel Persönlichkeits- mit Leistungs- oder Interessentests.

TIPP:

Online-Selbsttestverfahren finden Sie mithilfe von Suchmaschinen im Internet wie Google oder Bing. Verwenden Sie geeignete Schlagwörter, zum Beispiel „Persönlichkeit testen“, „Persönlichkeitstest“ oder „Berufseignungstest“.

Persönlichkeitstests auf dem Prüfstand

Von den im Internet frei zugänglichen Selbsttestverfahren nahm die Stiftung Warentest 2014 zehn Persönlichkeitstests für Erwachsene unter die Lupe, darunter auch viele kostenlose. Im Test von 2014 schnitten zwei kostenpflichtige Angebote gut und damit am besten ab. Eines davon ist noch zu haben, und zwar Explorixvom Verlag Hans Huber, Hogrefe für 13,50 Euro (Stand Juli 2016). Es kann sich aber inhaltlich inzwischen verändert haben. Das gilt auch für das beste befriedigende Angebot im Test von 2014: die Potenzial-Analyse von HVB Profil. Sie war damals kostenlos erhältlich und ist es noch heute.

TIPP:

Lesen Sie die Produktinformationen genau. Bietet das Testverfahren das, was Sie suchen? Gehören Sie zur Zielgruppe? Achten Sie auch auf den Umfang der Tests. Verfahren mit nur zehn Fragen oder weniger sind nicht aussagekräftig. Umgekehrt lässt ein großer Umfang aber nicht unbedingt auf eine hohe Qualität des Testverfahrens schließen.  

Persönlichkeitstests unter der Lupe

Im Jahr 2014 prüfte die Stiftung Warentest zehn Persönlichkeitstests, die Nutzer online durchführen können, darunter viele kostenlose. Nur zwei schnitten gut ab. Den Test finden Sie hier zum kostenlosen DOWNLOAD.

Wie ein Persönlichkeitstest abläuft

Online-Persönlichkeitstests bestehen in der Regel aus einem Katalog von Fragen mit meist vorgegebenen Antwortmöglichkeiten, die der Nutzer anklicken kann. Häufig basieren sie auf einer Selbsteinschätzung. Das heißt: Der Nutzer gibt an, wie sehr seiner Wahrnehmung nach eine Aussage auf ihn zutrifft – meist mit Antwortvorgaben wie „Trifft zu“, „Trifft eher zu“, „Trifft eher nicht zu“ oder „Trifft gar nicht zu“. Die Auswertung, das Testergebnis also, kann er dann meist kurz nach dem Durchlauf des Tests abrufen oder er bekommt sie per Mail oder Post zugeschickt. Bei begleiteten Testverfahren wertet der Psychologe oder Coach den Test aus und bespricht ihn mit dem Klienten.

TIPP:

Frei zugängliche Online-Testverfahren basieren meist auf Selbsteinschätzungen. Bearbeiten Sie die Fragen und Aufgaben ehrlich. Verfälschte Ergebnisse bringen nichts, wenn Sie auf der Suche nach Ihrer beruflichen Bestimmung sind.

Beratung nutzen zur Interpretation der Ergebnisse

Auch wenn jeder einen solchen Selbsttest grundsätzlich allein durchführen kann, ist eine zusätzliche Beratung in jedem Fall zu empfehlen. Denn das Ergebnis zu interpretieren und die richtigen beruflichen Schlüsse zu ziehen, ist nicht leicht und kann überfordern. Ein Test zeigt nur, welche Persönlichkeitseigenschaften jemand tendenziell hat. Für die berufliche Orientierung sind jedoch weitere Schritte nötig. Zunächst ist zu prüfen, welche Anforderungen der angestrebte Beruf hat. Dann muss beides miteinander verglichen werden: Passen meine Eigenschaften zum konkreten Jobprofil? Diesen Abgleich kann eine gute Beratung leisten. Bei einigen Anbietern von Persönlichkeitstests gehört eine verbindliche Beratung zum Angebot dazu. Bei den 2014 geprüften Verfahren war das aber nicht der Fall.  

Testverfahren geben Denkanstöße – mehr nicht

Eins muss klar sein: Auch das beste Testverfahren bietet keine hundertprozentig sicheren Ergebnisse. Manch ein Nutzer findet sich im Ergebnisbericht einfach nicht wieder – das kann vorkommen. Ohnehin liefern Persönlichkeitstests im Internet nur Momentaufnahmen. Sie geben erste Impulse, über die man nachdenken sollte. Am besten funktioniert das mit Profis in Sachen Beratung.

TIPP:

Gehen Sie mit Ihrem Ergebnisbericht in eine Beratung. In Deutschland gibt es viele Beratungsstellen, die kostenlos und neutral beraten (siehe Beratung nutzen). Alternativ können sie auch einen Coach aufsuchen. Seine Unterstützung hat aber ihren Preis (siehe Coaching nutzen). Sofern Sie ein psychologisches Testverfahren begleitet durchlaufen möchten, können Sie beim Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologenauf die Suche nach Inhabern so genannter Personenlizenzen zur Eignungsbeurteilung gehen.