Sprachzertifikate: Beleg für gute Sprachkenntnisse

Die Stellenanzeige verlangt „gutes Englisch in Wort und Schrift“ oder „Französisch fließend“? Wer potenziellen Arbeitgebern nur die Note aus dem letzten Schulzeugnis zu bieten hat, wird kaum beeindrucken. Besser fahren Bewerber mit so genannten Sprachzertifikaten. Damit können sie schwarz auf weiß belegen, auf welchem Niveau sie zurzeit in einer Sprache kommunizieren. Wer ein Zertifikat bekommen möchte, muss eine Prüfung ablegen.

Für viele Sprachen gibt es Angebote

Ob Chinesisch oder Ungarisch, Norwegisch oder Japanisch – Zertifikatsprüfungen gibt es für viele Sprachen und für verschiedene Sprachniveaus. In einigen Sprachen können Kandidaten neben allgemeinsprachlichen Zertifikatsprüfungen auch berufsbezogene ablegen. „English for Business“ heißt zum Beispiel ein Zertifikat der Londoner Industrie- und Handelskammer, „Certificado de Espanol Comercial“  eines der Amtlichen Spanischen Handelskammer. 

ACHTUNG:

Sprachzertifikate sind nicht zu verwechseln mit Dokumenten, die Sprachschulen wie Berlitz oder die Volkshochschulen nach der Teilnahme an einem Sprachkurs ausstellen. Die Anbieter von Zertifikaten sind auf die Entwicklung von Sprachprüfungen spezialisiert und keine Sprachschulen.

Große Auswahl für Englischlernende

Besonders groß ist die Auswahl an Zertifikaten für die Weltsprache Englisch. Hier gibt es zum Beispiel auch Prüfungen für spezielle Berufsgruppen wie Juristen, Lehrer, Techniker oder Mitarbeiter von Hotellerie und Gastronomie.

Englischzertifikate für Anfänger und Fortgeschrittene

Welche Zertifikate gibt es für Englischlernende? Antwort geben zwei Übersichten zum kostenlosen Download, die die Stiftung Warentest 2012 erstellt hat: Englischzertifikate für Anfänger und Englischzertifkate für Fortgeschrittene.

Nicht nur für Bewerber sinnvoll

Ein Sprachzertifikat kann nicht nur für Bewerber und Berufstätige wichtig sein, sondern auch für Studierende. Wer an einer Universität im Ausland studieren möchte, muss der jeweiligen Hochschule Sprachkenntnisse oft per Zertifikat nachweisen. Auch Einwanderungsbehörden können von deutschen Auswanderern ein Sprachzertifikat verlangen.

Prüfung in lizenzierten Zentren

Die Prüfungen selbst nehmen in der Regel von Zertifikatsanbietern lizenzierte Prüfungszentren ab. Oft handelt es sich dabei um Sprachschulen. Manchmal sind jedoch auch andere Institutionen zuständig, zum Beispiel Hochschulen, Kulturinstitute oder Botschaften. So ist für den norwegischen „Bergentest“ die norwegische Botschaft in Berlin zuständig.

Kosten von bis zu 200 Euro

Ganz billig ist der Erwerb eines Zertifikats in aller Regel nicht. So kostet zum Beispiel die Abnahme von Prüfungen für ein Englischzertifikat zwischen knapp 100 und 200 Euro.

Sprachkurse bereiten auf Prüfungen vor

Kurse zur Vorbereitung haben die Zertifikatsanbieter selbst in der Regel nicht im Programm. Häufig übernehmen Sprachschulen diese Aufgabe. Nach Kursen suchen lässt sich zum Beispiel in Weiterbildungsdatenbanken wie www.iwwb.de. Wer in die Suchmaske die jeweilige Sprache und den Namen des Zertifikats eingibt, erhält eine Trefferliste mit Kursangeboten.

Wunsch-Zertifikat beim Adressaten erfragen

Welches Zertifikat ist nun für wen das richtige? Antwort: Entscheidend ist, wofür es benötigt wird. Für eine Bewerbung? Für den Arbeitgeber? Für ein Studium? Oder um auszuwandern? Wer unsicher ist, erkundigt sich am besten beim jeweiligen Adressaten – zum Beispiel Arbeitgeber, Universität, Einwanderungsbehörde, welches Zertifikat vorzulegen ist.  

Viele Zertifikate orientieren sich am GER

Viele Sprachzertifikate orientieren sich am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmenfür Sprachen, kurz GER. Dieses Raster, bestehend aus sechs Niveaustufen, hat der Europarat 2001 eingeführt, um Sprachkenntnisse europaweit besser messbar und vergleichbar zu machen. Die Stufen reichen von A1 über A2, B1, B2, C1 bis C2. Dabei bezeichnet A1 das Niveau eines Anfängers, C2  ein fast muttersprachliches Niveau.

Das Raster des GER beschreibt im Detail, welche Fertigkeiten im Sprechen, Schreiben, Hören und Lesen auf den sechs verschiedenen Niveaustufen notwendig sind. Die Differenzierung nach den vier Sprachfertigkeiten ist sinnvoll, denn die Kompetenzen im Lesen, Schreiben, Sprechen und Verstehen sind bei den meisten Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. In der Regel versteht man deutlich mehr, als man selbst ausdrücken kann.  Mit dem GER lässt sich jede Sprachfertigkeit einzeln betrachten. Damit ist eine präzise Aussage über die Sprachkompetenz einer Person möglich.

GER erleichtet die Suche nach passenden Angeboten

Aber nicht nur die Anbieter vieler Sprachzertifikate klassifizieren ihre Sprachprüfungen nach GER. Auch viele Sprachlernanbieter orientieren sich am GER. Kommerzielle Sprachschulen und Volkshochschulen schreiben ihre Kursangebote im Internet und in Broschüren mit dem jeweiligen GER-Niveau aus. Hersteller von Lernsoftware und Verleger von Lehrbüchern geben das GER-Niveau auf ihren Produkten an. Für Sprachenlernende erleichtert das die Suche nach passenden Angeboten.

TIPP:

Sie können mit Hilfe des GER auch selbst ihr Sprachniveau grob einschätzen. Nutzen Sie dafür das Tool Sprachen im Weiterbildungsguide.

Tool Sprache Sprachkenntnisse selbst einschätzen