Kompetenzbilanz-Verfahren

Profilpass

Der Profilpass ist ein Arbeitsbuch mit rund 90 Seiten, das den Nutzer - ausgehend von seiner Biografie - anleitet, über seine Berufs- und Lebenserfahrungen nachzudenken und erworbene Kompetenzen zu dokumentieren. Interessierte können ihn selbstständig oder mit professioneller Unterstützung bearbeiten. Zur Ergänzung sind Beratungen oder Seminare buchbar. Beide Varianten sind kostenpflichtig. Der Profilpass eignet sich für eine umfassende Analyse von Kompetenzen und um Perspektiven für den Berufsweg zu erarbeiten. Die Bearbeitung setzt großes Engagement des Nutzers und den Willen zur intensiven Beschäftigung mit sich selbst voraus.

Hinweis: Seit unserem Test wurde der Profilpass überarbeitet.

Wie ist der Zugang zum Profilpass?

Auf der Profilpass-Webseitestehen zwei kostenlose Versionen bereit: eine zum Herunterladen und Ausdrucken, die andere zum Ausfüllen und Abspeichern auf dem Computer. Der Profilpass kann außerdem für 12,95 Euro als Buchbestellt werden. Über das Beraterverzeichnis  finden Interessierte Berater, die ihnen begleitend zur Seite stehen. Vereinzelt können auch Seminare gebucht werden. Sie sind aber nicht einfach zu finden. Interessierte fragen am besten bei ihrer Volkshochschule oder anderen Bildungseinrichtungen vor Ort nach. Weitere Möglichkeit: Über das Beraterverzeichnis einen Berater am Wohnort recherchieren und ihn nach Seminaren in der Nähe fragen.

Was kostet das Verfahren?

Wer nicht mit dem kostenlosen digitalen Arbeitsbuch arbeiten möchte, zahlt 12,95 Euro für die Druckversion. Die Kosten für Beratung oder Seminar variieren je nach Anbieter. Unsere drei Testpersonen, die eine begleitende Beratung buchten, zahlten rund 270, 390 und 510 Euro. Für die Teilnahme an Seminaren fielen 78 Euro und 83 Euro an. Überall war das Arbeitsbuch inklusive.

Wie ist der Profilpass aufgebaut? Wie ist er zu bearbeiten?

Das Arbeitsbuch, auch Profilpass-Portfolio genannt, enthält folgende Kapitel:

  • Mein Leben: Der Nutzer schaut auf sein bisheriges Leben zurück und dokumentiert wichtige Bereiche, in denen er tätig war – vom Arbeitsleben bis zum Ehrenamt.
  • Meine Tätigkeitsfelder: Hier erfasst der Nutzer, was er gern macht und was er gut kann.
  • Meine Kompetenzen: In diesem Schritt erstellt der Nutzer eine Übersicht seiner besonderen Kompetenzen, um dann auf einen Blick zu sehen, wie stark ausgeprägt seine Kompetenzen sind, welche davon er besonders gern einsetzt und welche er weiterentwickeln möchte.
  • Meine Ziele: Hier geht es darum, aus den Erkenntnissen der vorherigen Schritte Schlüsse für die weitere Lebensplanung zu ziehen.
  • Nachweise sammeln: Das letzte Kapitel gibt Tipps, wie sich Zeugnisse und andere Nachweise systematisch sammeln lassen.

Wie sieht das Ergebnis aus?

Am Ende sind die Frage- und Aufgabenbögen ausgefüllt. Zusätzlich können sich Nutzer einen so genannten Kompetenz-Nachweis ausstellen lassen, sofern sie den Profilpass im Rahmen einer Beratung oder eines Seminars bearbeitet haben. Das entsprechende Dokument ist im Arbeitsbuch zu finden. Nutzer tragen dort ihre persönlichen Daten ein und notieren, welche Kompetenzen sie ermittelt haben. Das Papier wird dann vom Berater oder Seminarleiter unterzeichnet und mit einem Stempel der begleitenden Institution versehen.

Wie lange dauert die Bearbeitung?

Laut Anbieter sollten Nutzer für die Beschäftigung mit dem Arbeitsbuch zwischen vier und zehn Stunden einzukalkulieren. Das bestätigte auch unser Nutzertest. Wer ergänzend eine Beratung oder ein Seminar gebucht hat, muss zusätzlich je nach Anbieter mehrere Termine einplanen. Bei unseren Testpersonen dauerten die Beratungen insgesamt zwischen vier und knapp neun Stunden. Die Seminare dauerten insgesamt zwischen gut acht und neuneinhalb Stunden.

Was können Nutzer über sich herausfinden? Welche Kompetenzen werden erfasst?

Das Verfahren setzt an der Biografie des Nutzers an. Von daher hängt es von seinen Erfahrungen, Qualifikationen und beruflichen wie außerberuflichen Tätigkeiten ab, welche Kompetenzen erfasst werden. Damit ist das Verfahren offen für alle Arten von Kompetenzen, also fachlichewie überfachliche.

Wer ermittelt die Kompetenzen? Und wer schätzt ein, wie ausgeprägt sie sind?

Mithilfe des Arbeitsbuchs identifiziert der Nutzer seine Kompetenzen und schätzt deren Ausprägung selbst ein, gegebenenfalls unterstützt durch seinen Berater oder Dozenten. Eine Fremdeinschätzung sah das Arbeitsbuch während unseres Tests noch nicht vor. Inzwischen wurde das Arbeitsbuch überarbeitet und enthält unter anderem auch einen Arbeitsbogen für eine Fremdeinschätzung. Unser Test zeigte aber, dass bei der Nutzung von Begleitangeboten die Berater und Dozenten in der Regel anregten, eine Einschätzung von anderen einzuholen.

Was ergab der Test?

Bei Gutachtern und Testpersonen schnitt der Profilpass mit hoher Qualität ab. Die Experten lobten, dass das Verfahren klar strukturiert und systematisch aufgebaut ist. Es setzt an der Biografie des Nutzers an und bezieht viele Lebensbereiche ein – von der Ausbildung über Freizeitaktivitäten bis hin zu besonders prägenden Ereignissen. Die schriftlichen Materialien unterstützen Nutzer gut bei der Reflexion des eigenen Tuns. Daraus werden die jeweils eingesetzten Kompetenzen abgeleitet.  Das Verfahren setzt die intensive Beteiligung des Nutzers voraus. Auch positiv: Beratung oder Seminar sind optional möglich. Wünschenswert wäre, dass sie obligatorisch sind. Schade aber, dass das Verfahren in unserem Testzeitraum noch keine Fremdeinschätzung vorsah. Immerhin regten die Dozenten und Berater aber an, eine Einschätzung von anderen einzuholen, wie unser Test zeigte. In der inzwischen überarbeiteten Profilpass-Version ist die Fremdeinschätzung vorgesehen.

Auch unseren Testpersonen, die sowohl Beratungen als auch Seminare in Anspruch nahmen, gefiel das Verfahren gut. Die Beratungen schnitten im Vergleich etwas besser ab. Positiv empfanden die Tester die Fremdeinschätzung: Sofern sie diese einholten, erfuhren sie Neues über sich. Schade: Nicht überall führten die Berater und Dozenten unsere Testpersonen konsequent zum dritten und letzten Schritt einer Kompetenzbilanz: berufliche Perspektiven zu entwickeln. Gut aber: Sofern das passierte, regten sie unsere Tester auch dazu an, konkrete Maßnahmen zur Umsetzung ihrer Ideen zu planen.

Stand: Prüfzeitraum Dezember 2015 bis Mai 2016. Online-Veröffentlichung: Februar 2017.