Kompetenzbilanz-Verfahren

MyProfile

MyProfile besteht aus einem 32-seitigen PDF-Dokument, das Interessierte kostenlos herunterladen können. Neben Kompetenzen, hier Stärken und Fähigkeiten genannt, erfasst MyProfile auch Interessen. Das Verfahren ist selbstständig zu bearbeiten. Beratung, Coaching oder Seminar sind nicht vorgesehen. MyProfile weist deutliche Schwächen auf und bietet unter anderem zu wenig Anleitung für die Alleinbearbeitung.

Wie ist der Zugang zu MyProfile?

MyProfile wird von dem Luxemburger Anbieter Reactionvertrieben und ist im Internet als PDFzu finden. Das 32-seitige PDF lässt sich ausdrucken, direkt online bearbeiten oder auf dem Computer abspeichern.

Wie ist MyProfile aufgebaut? Wie ist es zu bearbeiten?

Der Nutzer bearbeitet das PDF mithilfe von Anleitungen in der vorgegebenen Reihenfolge. Zunächst wird er aufgefordert, Stationen zu den drei vorgegebenen Lebensbereichen „Ausbildung“, „Arbeitsleben“ und „Privatleben“  zu notieren. Dann gilt es, die Lebensbereiche genauer zu analysieren, indem Interessen, Aktivitäten, Stärken und Fähigkeiten zu jedem Bereich reflektiert und dokumentiert werden. Diese Dokumentation bildet die Basis, um im nächsten Schritt die wichtigsten Kompetenzen herauszufiltern und die nächsten Schritte zu planen.

Wie sieht das Ergebnis aus?

Das Ergebnis ist das ausgefüllte PDF-Dokument. Das Resümee seiner Selbstreflexion kann der Nutzer zudem in einem Extra-Arbeitsblatt festhalten. Dort trägt er die für ihn wichtigsten Lebensstationen und Kompetenzen ein und notiert seine Zukunftspläne.

Wie lange dauert die Bearbeitung?

Laut Anbieter sind zwischen acht und 20 Stunden einzuplanen. Unsere drei Testpersonen beschäftigten sich zwischen dreieinhalb und 24 Stunden mit MyProfile.

Was können Nutzer über sich herausfinden? Welche Kompetenzen werden erfasst?

Das Verfahren geht von den drei vorgegebenen Lebensbereichen Ausbildung, Arbeitsleben und Privatleben aus. Der Nutzer ist gefragt, all seine fachlichenund überfachlichen Kompetenzenin diesen Bereichen herauszuarbeiten.

Wer ermittelt die Kompetenzen? Und wer schätzt ein, wie ausgeprägt sie sind?

Mithilfe der schriftlichen Unterlagen erfasst der Nutzer seine Kompetenzen und schätzt deren Ausprägung selbst ein. Ein Extra-Arbeitsblatt für eine Fremdeinschätzung enthält MyProfile nicht. Nutzer werden aber aufgefordert, sich mit anderen über die eigene Einschätzung auszutauschen.

Was ergab der Test?

Unsere Gutachter bescheinigten MyProfile eine niedrige Qualität. Auch unsere Testpersonen überzeugte es nicht. Damit schnitt das Verfahren von allen getesteten am schlechtesten ab. Die Gutachter kritisierten vor allem, dass der Begriff "Kompetenz" in den uns zur Verfügung gestellten Unterlagen nicht hinreichend definiert wurde. Damit fehlte eine wichtige Grundlage. Nutzer erhalten insgesamt zu wenig Anleitungen und Beispiele, um das Verfahren gut allein bearbeiten zu können. Außerdem gibt es keine Hinweise dazu, wie der Nutzer seine ermittelten Kompetenzen bewerten soll. Ebenfalls ungünstig: Das Verfahren schließt keine Beratung ein. Auch eine Fremdeinschätzung ist nicht vorgesehen. Nutzer werden lediglich angeregt, sich mit Personen aus ihrem Umfeld über die Arbeit an MyProfile, ihre Stärken und ihre Selbstbewertung zu unterhalten. Positiv: MyProfile ist gut gegliedert, setzt an der Biografie des Nutzers an und regt zu Selbstreflexionen an.

Unsere Testpersonen fanden das Verfahren zwar verständlich, aber wenig abwechslungsreich. Alle erfuhren wenig Neues über sich. Sie kritisierten auch, dass es keine Hinweise zur Bewertung der eigenen Kompetenzen gab. Außerdem vermissten die Tester auf der Webseite des AnbietersInformationen zum Verfahren, also zur Bearbeitungsdauer und zum Ablauf.

Stand: Prüfzeitraum Dezember 2015 bis Mai 2016. Online-Veröffentlichung: Februar 2017.