Kompetenzbilanz-Verfahren

Kompetenzpass Berufsrückkehr

Der Kompetenzpass Berufsrückkehr ist ein Angebot für Wiedereinsteiger in den Beruf in Hessen, das vereinzelt auch in anderen Bundesländern existiert. Das Verfahren wird im Rahmen einer Beratung in der Gruppe durchlaufen. Es macht überfachliche Kompetenzen, die zum Beispiel während der Familienphase erworben wurden, sichtbar und erfasst darüber hinaus auch Eigenschaften. Fachliche Kompetenzen bleiben außen vor. Das Verfahren können Wiedereinsteiger nutzen, die ihre Kompetenzen in Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen selbstbewusst vertreten möchten.

Wie ist der Zugang zum Kompetenzpass Berufsrückkehr?

Interessierte aus Hessen wenden sich an die Frauencomputerschule Kassel. Vereinzelt existiert das Angebot auch in anderen Bundesländern. Informationen dazu sind ebenfalls bei der Frauencomputerschule Kassel zu erfragen.

Was kostet das Verfahren?

Laut Anbieter kostet das Verfahren 150 bis 180 Euro.

Wie ist der Kompetenzpass Berufsrückkehr aufgebaut? Wie ist er zu bearbeiten?

Mithilfe der schriftlichen Unterlagen erarbeiten Nutzer – ergänzt durch die Beratung in der Gruppe – ein Kompetenzprofil. Dabei sind die Bereiche, für die Kompetenzen erfasst werden können, vorgegeben, darunter zum Beispiel „Verantwortungsbewusstsein“, „Belastbarkeit“ und „Teamfähigkeit“.  Jeder Bereich umfasst verschiedene Aussagen, für die der Nutzer eine Einschätzung vornehmen muss. Zum Beispiel heißt es bei Belastbarkeit: „Mit Störungen im Arbeitsablauf konstruktiv umgehen“ und „In schwierigen Situationen und unter Zeitdruck handeln“. Nutzer kreuzen an, ob sie das „sehr gut“, „gut“, „mittel“ oder „weniger“ können.  Ein weiteres Arbeitsblatt listet rund 30 Eigenschaften auf, zum Beispiel „sachlich-nüchtern“, „einfühlend“ und „autoritär“. Auch hier gilt es, sich auf einer fünfstufigen Skala von „trifft nie zu“ bis „trifft genau zu“ einzuschätzen. In der Gruppenberatung werden die Teilnehmer laut Anbieter für die Bedeutung überfachlicher Kompetenzen sensibilisiert. Es kommen Übungen zur Selbst- und Fremdwahrnehmung zum Einsatz. Außerdem gibt es Reflexionen in der Gruppe mit dem anleitenden Coach.

Wie sieht das Ergebnis aus?

Nutzer erstellen mithilfe von Aufgaben ergänzt durch die begleitende Beratung ihr persönliches Kompetenzprofil. Die schriftlichen Unterlagen beinhalten außerdem eine Bescheinigung, die Bewerbungen beigelegt und zukünftigen Arbeitgebern präsentiert werden kann. Nutzer tragen in das Dokument ihre persönlichen Daten ein und notieren, welche Kompetenzen sie ermittelt haben. Das Papier kann von der Beratungseinrichtung unterzeichnet und mit dem Stempel der Institution versehen werden.

Wie lange dauert die Bearbeitung?

Laut Anbieter sind etwa zwölf Stunden einzuplanen, um die schriftlichen Unterlagen zu bearbeiten. Außerdem kommen für die Beratung in der Gruppe noch etwa acht Stunden hinzu, verteilt auf mehrere Termine.

Was können Nutzer über sich herausfinden? Welche Kompetenzen werden erfasst?

Das Verfahren erfasst überfachliche Kompetenzen, zum Beispiel Team-, Führungs- und Kommunikationsfähigkeit. Außerdem kann der Nutzer auf einer vorgegebenen Liste von rund 30 Eigenschaftenankreuzen, welche auf ihn zutreffen.

Wer ermittelt die Kompetenzen? Und wer schätzt ein, wie ausgeprägt sie sind?

Das macht der Nutzer selbst mithilfe der schriftlichen Unterlagen. Im Rahmen der Gruppenberatung wird laut Anbieter zusätzlich eine Fremdeinschätzung angeregt.

Was ergab der Test?

Auf Basis der vorliegenden schriftlichen Unterlagen bescheinigten die Gutachter dem Verfahren eine mittlere Qualität. Testpersonen haben das Verfahren nicht durchlaufen. Aufgrund begrenzter Ressourcen haben wir nur die Kompetenzbilanz-Verfahren von Testpersonen ausprobieren lassen, die eine breite Zielgruppe ansprechen. Positiv: Die schriftlichen Unterlagen setzen an der Biografie der Nutzer an und kombinieren ergebnisoffene Reflexionen mit Fragebögen und vorgegebenen Antwortmöglichkeiten. Gut außerdem: Die Beratung ist verpflichtend und eine Fremdeinschätzung ist im Rahmen der Gruppenberatung vorgesehen. Weniger gut: Die schriftlichen Unterlagen legen den Fokus vor allem auf das Sammeln und Sichtbarmachen von Kompetenzen und kaum auf das Entwickeln von Perspektiven. Möglicherweise wird das aber in der Gruppenberatung geleistet. Außerdem: Aussagen zur wissenschaftlichen Fundierung des Verfahrens konnten unsere Gutachter anhand der uns zur Verfügung gestellten Dokumente kaum ableiten.

Stand: Prüfzeitraum Dezember 2015 bis Mai 2016. Online-Veröffentlichung: Februar 2017.